Page 64 - Arzt im Dienst
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ARZT IM DIENST


          Drei Meter vor mir steht er recht,
          der PFARRER da, der Gottes Knecht.
          Der Korb mit Rosen wirkt magnetisch,
          ich lass sie führen mich prophetisch.

          Die Rose hab ich in der Hand,
          jetzt einmal links, zum offnen Grab gewandt.
          Wie zache Kacke fühl ich mich,
          stocksteif, starr, unbeweglich.

          Jetzt steh ich da,
          die Hand hält links die Rose,
          die soll ich fallen lassen gar,
          Streich mir das Haar aus dem Gesicht und schinde Zeit – verzeiht
          - es ist nicht eine Pose.

          Gott, steh mir bei, ich klammere mich an die Rose!

          FREUND ERNSTL. Was ist mit ihr, was tut sie da,
          steht grad wie eine Hure da.
          Dir werd ichs zeigen, dummes Stück,
          nimm dich zusammen, heute ist der Welten Unglück!

          MÄDCHEN. Ich zapple, ich werde missverstanden,
          Vater, mein Leben geht mir gleich abhanden!
          Wisst ihr denn nicht, wer LANGENSCHEIDT für mich ist,
          wisst ihr denn nicht, dass mein Leben mit seinem Tod erlischt?

          Die Rose fallenlassen, lautet das Gebot in diesem Moment.
          Es sind hundert Menschen vor mir, hundert Menschen nach mir
          und die Menge drängt.

          Ich öffne die Hand – nur für dich!



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